012 081 wartet vor E 2730 im Bahnhof Norddeich Mole auf den Schiffsanschluss aus Norderney. (1975) Foto: Karsten Risch (Eisenbahnstiftung)
Die Schnellzugdampflokomotive der Baureihe 01.10
Geprägt vom wegweisenden, aerodynamischen Design der 1930er Jahre. Konstruiert für Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 150 km/h. 2m große Treibräder, angetrieben von einer kräftigen Dreizylinderdampfmaschine.
Die Deutsche Reichsbahn hatte sich viel vorgenommen, um die leicht alternde und doch unabkömmliche Dampftraktion in ein neues, modernes Zeitalter mitzunehmen.
Das Reisen sollte komfortabler, (lauf-)ruhiger und vor allem schneller werden. Mit der Durchbildung der dazu notwendigen Dampflokomotiven wurden das Vereinheitlichungsbüro der Lokomotivindustrie beauftragt. Das enge Lastenheft sah die Dreizylinderbauart der bereits bestehenden Baureihe 01 vor, die Baureihe 01.10.
Mit einem ersten Baumuster 1938 und der einzigen Serienlieferung 1939/1940 stellte die Berliner Maschinenbau-Actien-Gesellschaft vormals L. Schwartzkopff insgesamt 55 Lokomotiven dieser Baureihe her. Das zu diesem Zeitpunkt der Grundstein für eine später legendär werdende Lokomotivbaureihe gelegt wurde, konnte keiner der Beteiligten damals ahnen.
Bedingt durch die Kriegshandlungen kamen die 01.10 für ihren angedachten Einsatzzweck jedoch zu spät. Das Streckennetz ließ kaum Schnellfahrten zu und angedachte Fernverbindungen brachen weg. Erst einmal.
Die 1950er Jahre, in der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland, brachten einen nie dagewesenen wirtschaftlichen Aufschwung, welcher auch die Entwicklungen im Eisenbahnwesen vorantrieb.
An den gerade wieder in den Betriebsstand zurückgeholten 01.10 zwang der nicht alterungsbeständiger Kesselbaustahl St 47 K die verantwortlichen Personen zum Handeln. Die Lokomotiven waren im gerade wieder aufkeimenden Schnellzugnetz nun unverzichtbar. Man entschied sich daher zum Einbau neuer, vollständig geschweißter Hochleistungskessel mit Verbrennungskammer. Ebenso wandelte sich die äußere Erscheinung der 01.10. Sie verloren ihre Stromlinienverkleidung. Die typische offene Silhouette der modernen Bundesbahn-Dampflok prägte fortan die Optik. Hauptsächlich durch Funktionalität und klare Linienführung geprägt.
Beheimatungshistorie:
Bw Bebra: 06.05.1940 - 30.12.1942
Bw Braunschweig Hbf: 31.12.1942 - 02.11.1944
Bw Hannover Ost: 02.11.1944 - 24.01.1945
Bw Braunschweig Hbf: 25.01.1945 - 18.03.1948
Bw Bebra: 30.04.1948 - 04.02.1963
Bw Kassel: 13.03.1963 - 14.04.1967
Bw Hamburg-Altona: 15.04.1967 - 30.09.1972
Bw Rheine: 01.10.1972 - 01.06.1975
Technische Daten
- Gattung
- S 3/6.20
- Bauart
- 2'C1'h3
- Nummer
- 01 1081
- NVR-Nummer
- 90 80 0012 081-0
- Lieferjahr
- 1940
- Lieferer
- Berliner Maschinenbau-Actien-Gesellschaft vormals L. Schwartzkopff
- Fabriknummer
- 11337
- Abnahme
- 06.05.1940
- Einsatzzeitraum bei der DB
- 1949 - 31.05.1975
- Höchstgeschwindigkeit
- 140
- Länge über Puffer
- 24,13m
- Bremsbauart
- K-GPRmZ
- Status
- seit 13.10.2025 Leihgabe an Bielefelder Eisenbahnfreunde e. V.
Galerie
Bild 01 -
Vergleichsaufnahme zwischen der damals modernsten Schnellzug-Dampflok 01 1081 vom Bw Bebra (Baujahr 1940) und der Rangierlok 89 7055 (Baujahr 1888) in Hannover. (1949) Foto: Hugo Plassmeier (Eisenbahnstiftung)
Bild 02 -
Die heute noch erhaltenen Lokomotiven 01 1081 und 01 1100 (beide Heimatbahnbetriebswerk Bebra) sind mit einem Schnellzug in Fulda eingetroffen. Die als Vorspann laufende 01 1081 hat keinen Kaminaufsatz und die Zuglok 01 1100 hat noch den ursprünglichen einteilgen Gußkamin (27.03.1959) Foto: Joachim Claus Eisenbahnstiftung
Bild 03 -
01 1081 vom Bw Bebra verlässt mit einem Schnellzug Hannover Hbf. (1962) Foto: Norbert Steinweis (Eisenbahnstiftung)
Bild 04 -
Feiertagsausflug an die Main-Weser-Bahn: 01 1081 vom Bw Kassel rauscht mit dem D 74 (Hamburg-Altona - Basel SBB) bei Bad Vilbel Süd vorbei. (07.05.1964) Foto: Joachim Claus (Eisenbahnstiftung)
Bild 05 -
01 1081 hatte vom 23. Juni bis 13. Juli 1964 eine L0 im AW Braunschweig erhalten. Während der Rücküberführung nach Kassel wurde nach Verlassen des AW unter ihr unzeitig eine Weiche gestellt. Die Lok entgleiste, stürzte um, geriet in Brand und blockierte einen Tag lang die Streckengleise zwischen Hannover und Helmstedt. Die erforderliche L2-Ausbesserung dauerte anschließend bis 22. August 1964. Lokführer und Heizer wurden leicht verletzt. (14.07.1964) Foto: Horst Rippenthal (Eisenbahnstiftung)
Bild 06 -
Im Bw Gießen ist 01 1081 aus Kassel eingetroffen. Nach Ende des Dampfbetriebs auf der Main-Weser-Bahn im Frühjahr 1967 wurde sie nach Hamburg-Altona umstationiert. (29.08.1966) Foto: Wolfgang Jahn (Eisenbahnstiftung)
Bild 07 -
012 081 fährt mit E 1774 aus Westerland (Sylt) ohne Halt durch den Bahnhof Glückstadt. (07.04.1969) Foto: Robin Fell (Eisenbahnstiftung)
Bild 08 -
Die Altonaer 012 081 ergänzt ihre Wasservorräte im Bw Westerland auf Sylt. (14.07.1971) Foto: Joachim Schmidt (Eisenbahnstiftung)
Bild 09 -
012 081 vor E 1806 aus Norddeich Mole bei Leschede. (09.08.1973) Foto: Burkhard Wollny (Eisenbahnstiftung)
Bild 10 -
012 081-6 (01 1081) in typischer ostfriesischer Landschaft vor E 1631 nördlich von Emden. (31.08.1973) Foto: Wolfgang Bügel (Eisenbahnstiftung)

